Das Petri- Schutz- System wurde entwickelt um auch in strukturlosen Gewässern ideale Lebensbedingungen für Fische und anderen unter Wasser lebende Tiere, wie z.B. Krebse und Muscheln, zu schaffen. Das Schutz- System bietet Fischen Schutz vor Kormorane und anderen Fressfeinden.

Funktion und Vorteile des Petri- Schutz- Systems:
Das Petri- Schutz- System ist eine mobile Konstruktion, die durch diese spezielle Eigenschaft optimal und flexibel eingesetzt werden kann!

Im Winter, wenn die großen Schwärme Kormorane aus dem Norden einfliegen und in unseren Gewässern große Schäden anrichten, platziert man die Konstruktion in den tiefen Schichten des Gewässers, wo sich die Fische sammeln und ihre Winterruhe abhalten; der Stoffwechsel wird runtergefahren. Durch das Petri- Schutz- System sind die Fische vor großen Fressfeinden geschützt und keinem Stress ausgesetzt. Es gibt keine oder nur geringe Verluste.

Im Frühling steigt die Wassertemperatur wieder. In den meisten Gewässern entsteht in den tieferen Bereichen eine sauerstoffarme Schicht, die so genannte Sprungschicht. Dort können die Fische nicht mehr leben, sie ziehen in die flachen und sauerstoffreichen Wasserschichten; es beginnt die Laichzeit. Dann sollte man das Petri- Schutz- System in einer Tiefe von etwa 4-5 Metern Wassertiefe umsetzen. Ist die Konstruktion einmal aufgetaucht, kann man sie z.B. neu mit Totholz ausstatten, Kokosmatten als Laichhilfen für Zander einfügen oder Strukturen aus Heu mit einbauen, die große Mengen Plankton erzeugen (Phytoplankton). Die Konstruktion bietet Schutz und Schatten für die empfindliche Fischbrut. Liegt der See in der Nähe einer Kormorankolonie, ziehen sich die Fische hier auch Tagsüber in großen Mengen zum Schutz zurück.

Die Konstruktion kann jederzeit aufgetaucht und versetzt werden: für Baggerarbeiten, aus anglerischer Sicht, auch für Reparaturen und Wartungsarbeiten der Konstruktion bzw. auch für andere Nutzungen, beispielsweise als Laichhabitat in Ufernähe.

 

Wie entstand die Idee zum Petri- Schutz- System?

 

Der Sportfischereiverein Coesfeld 1934 e.V. bewirtschaftet seit den 60er Jahren drei Gewässer: 1 Baggersee (20ha), eine Teichanlage (1ha) und einen Flußabschitt der Berkel.   Seit den 80er Jahren wurde die Hege und Pflege der Gewässer immer schwieriger, da die Kormoranbestände immer mehr zunahmen. Für den Vorstand wurde die Arbeit schwieriger, einerseits forderten die Mitglieder mehr Besatz („Wir fangen nichts!“) und anderseits wussten aus Erfahrungen, dass Mehrbesatz auch in kürzester Zeit von Kormoranen zunichte gemacht wird. Für mich als Vorsitzenden war diese Situation nicht tragbar, es musste eine Lösung her. Ich suchte mir aus allen Fachlektüren Infomaterial heraus wie man in Gewässer Strukturen schafft um eine ausgeglichene Fischpopulation zu erhalten. Die Ergebnisse waren sehr ernüchternd. Die einzige Möglichkeit sei Totholz in das Gewässer einzubringen. Es gibt einige Verbände die sehr aussagekräftigen Studien, bzw. Monitoring durchgeführt haben, z.B. Totholzprojekt Knielinger See (Baden-Württemberg), hier sind aus der Fischereiabgabe des Landes große Summen investiert worden. Die ganze Arbeit stellte sich hinsichtlich Totholzes als Schutz vor Kormoranen als kontraproduktiv heraus. Zitat aus dem Monitoring: „hätten wir das nicht ausprobiert, hätten wir den Fischen einen Gefallen getan. “Durch das versenken von Totholzbündel sammelten sich die Fische in großen Mengen, dort am Gewässerboden. Plötzlich jagten die Kormorane nur noch an diesen Stellen und kamen doppelt so oft mit Fisch an die Oberfläche, als vor dem Totholzeintrag. Ich sammelte alle Fakten aus den Erkenntnissen der Studien um ein Schutzsystem zu bauen, in denen Fischen tatsächlich sicher vor den Kormoranen sind.

Am 8. November 2020 wurde das erste Schutzsystem von Mitgliedern des SFV montiert und in einer Wassertiefe von 11 Meter auf dem Gewässergrund unseres Baggersees abgelassen. Von dem Tag an kontrollierten mein Kollege Axel Hüwe und ich wöchentlich mit meiner Unterwasserkamera das Bauwerk. Uns war schon bewusst, dass die Fische einige Zeit gebrauchen würden, um sich an das „Bauwerk“ zu gewöhnen.

Am 29. November konnten wir die ersten kleinen Weißfischschwärme beobachten. Die große Überraschung gab es aber am 13.12.2020. Als wir morgens am Gewässer ankamen waren nur 2 Kormorane zu sehe, sie flogen direkt auf. Als wir unsere Kamera heruntergelassen hatten, trauten wir unseren Augen nicht. In unserem Schutz- System hatte sich ein großer Fischschwarm festgesetzt, es waren nicht hunderte, sondern tausende von Weißfischen und Barschen. Da die große Anzahl an Fischen gar nicht in einem Schutz- System reinpasste, bauten wir kurzer Hand ein zweites Schutzsystem, um den Kormoranen erst gar keine Chance zu geben.

Wir beobachteten das Verhalten der Kormorane fast täglich, bis in den Frühling hinein. Der erste positive Effekt war, dass kein Kormoran in der Nähe des Schutz- Systems tauchte; sie hielten ca. 100 Meter Abstand. Sie hatten also keinen Erfolg bei der Jagt in der Nähe des Petri- Schutz- Systems, obwohl sich die Fische hier sammelten. Im Januar 2019 und 2020 wurden Schwärme von Kormoranen mit zwischen 110 und 120 Kormoranen gezählt. Im Januar 2021 jedoch waren nur noch einzelne Kormorane unterwegs, die aber auch erfolglos blieben. Durch die guten Fänge von Weißfischen und Barschen im Frühling, die unseren Erfolg auch noch mal unterstreicht, stellte sich bei den Vereinsmitgliedern eine positive Stimmung ein.

 

Petri Schutzsystem